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Familienfreundliche Unternehmen

Elektro Meisterbetrieb Zillmer

Eröffnung: 1991 / Unternehmenssitz: Sassnitz
Branche: Handwerk / Dienstleistungen: Elektrotechnik
Mitarbeitende: 10 / Auszubildende: 5

Reiko Zillmer

Geschäftsführer Elektro Meisterbetrieb Zillmer

2012 tauschte der junge Familienvater seinen sicheren Job gegen die Selbstständigkeit. Um den Handwerksbetrieb des Schwiegervaters zu übernehmen drückte Reiko Zillmer sogar noch einmal die Schulbank. Im Interview erzählt er uns, wie die Übernahme für ihn war und wie er in seiner Firma mit Herausforderungen umgeht.

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Gunther Röhrbein, Burkhard Wölki

Elektriker bei Elektro Meisterbetrieb Zillmer

Beide Elektriker arbeiten gerne für ihren Zillmer-Junior in Sassnitz auf Rügen. Im Gespräch berichteten sie uns über ihren Arbeitsalltag und darüber, wie sie den Wechsel in der Unternehmensführung erlebt haben. Lesen Sie auch, wie das Team und der Chef mit unerwarteten privaten Herausforderungen umgehen.

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REIKO ZILLMER

Geschäftsführer Elektro Meisterbetrieb Zillmer

Neue Wege: Selbständigkeit statt Öffentlicher Dienst, Oder: "Ein typisches Familienunternehmen in MV?!"

Als wir das kleine Büro des Elektromeisters im Herzen von Sassnitz betreten, begrüßt uns zuerst der kleine Pille. Der "Wachhund" gehörte schon vor dem Generationenwechsel an der Spitze des Geschäftes zum Firmeninventar. Reiko Zillmer hatte zum 01.01.2012 den Betrieb offiziell übernommen. Nach einer probeweisen Übernahme der Geschäfte, als Urlaubsvertretung im Sommer 2011, übernahm der Nachfolger mehr und mehr Aufgaben in der Geschäftsführung. „Ich habe damals Blut und Wasser geschwitzt.“ Gestand Reiko Zillmer, als er von seinen ersten Erfahrungen als Chef des Elektrobetriebes berichtete.  Der gelernte Straßenbauer ist nicht im Elektrogeschäft groß geworden - er arbeite den größten Teil seines Berufslebens als Busfahrer. Zuletzt beim Rügener Personennahverkehr.

"Das war ein sicherer Job. Mit gutem Einkommen und planbarem Urlaub."

Deshalb fiel die Entscheidung, noch einmal von vorn zu beginnen, auch nicht leicht.

Wie es dazu kam, Oder: "Schuld war eigentlich nur eine kaputte Waschmaschine."

Im Jahr 2009 erwischte es den Rügener Busfahrer. Die Waschmaschine hatte den Geist aufgegeben. Die Reparatur zog sich hin. Und als sie endlich wieder einsatzbereit war, stand Herr Zillmer bereits vor einem riesigen Wäscheberg. „Da kam bei mir dir Frage auf, wie viel Weichspüler braucht man nun für so viel Wäsche?“ So stand der der junge Mann nun mit fünf Flaschen Weichspüler an der Kasse des Sassnitzer Edeka-Marktes Zillmer. Dort bediente ihn die Tochter der Inhaberin, Frau Zillmer Junior. „Der Inhalt meines Einkaufswagens hat mich in Ihren Augen scheinbar so sympathisch gemacht, dass Sie mich angesprochen hat.“ Kurz darauf wurden die beiden ein Paar.

Knapp ein Jahr später unterbreitete der Schwiegervater, damaliger Geschäftsführer des Elektro Meisterbetriebes, dem jungen Reiko einen Vorschlag. Der über 60jährige wollte sich langsam zur Ruhe setzten und suchte deshalb einen Nachfolger. In gemütlicher Runde fragte er plötzlich: „Hast du nicht Lust das zu machen?“. Das ginge natürlich nur mit entsprechender Qualifikation. Nach Gesprächen mit der Handwerkskammer wurde klar, dass der gelernte Straßenbauer den Betrieb nur übernehmen kann, wenn er entsprechende Praxiserfahrung im Beruf des Elektrikers nachweisen könne. Zudem müsste die Meisterschule absolviert werden. Drei Monate Bedenkzeit nahm sich der Busfahrer und wog Vor- und Nachteile ab. Freiheit und Sicherheit gegen Verantwortung. Die Zukunft sowie die Jobs der 6 angestellten Elektriker standen in den Sternen. Dann sagte er zu sich selbst:

"Geh mal einen komplett neuen Weg. Geh mal aus dir raus. Übernimm Verantwortung."

Die Entscheidung war gefallen. Um die Qualifikation für das Elektrogeschäft zu erwerben, ging es zunächst für ein Jahr auf die Baustelle. Dort hat Herr Zillmer neben seinen heutigen Mitarbeitern angefangen zu lernen - Schritt für Schritt. Danach ging es für drei Jahre zur Meisterschule - neben dem Tagesgeschäft. Jeden Freitag nach der Arbeit und jeden Samstag heißt es nun, noch bis zum Frühjahr 2014, in Neubrandenburg die Schulbank drücken. Eine Herausforderung für den jungen Familienvater und Geschäftsführer. Bereut habe er diese Entscheidung bis heute nicht. Obwohl es nicht immer leicht ist. „Ich habe es mir nicht so schwer vorgestellt.“ Gesteht der junge Geschäftsführer und Familienvater.

„Man trägt ja nicht mehr nur für sich und seine eigene Familie Verantwortung, sondern plötzlich für viele andere auch.“

Der Arbeitgeber Elektro Meisterbetrieb Zillmer, Oder: "Wir trennen Arbeit und Privates nicht."

Als Betriebsrat setzte sich Herr Zillmer bereits  im Personennahverkehr für die Belange der Mitarbeitenden ein. Diese Haltung führt er nun in seiner neuen Rolle als Geschäftsführer fort und beschreibt sich folgendermaßen:

„Ich bin sehr sozial und für alles offen. Das habe ich wohl meiner früheren Funktion im Betriebsrat des RPNV zu verdanken. Ich hab schon immer für die Mitarbeiter eingestanden und konnte ihre Belange gut verstehen und verteidigen.“

Das Team hat auch privat einen sehr guten Draht zueinander, sagt er. "Mit einigen Kollegen gehe ich jeden Donnerstag bowlen." Immer noch etwas gerührt zeigt er auf eine Geburtstagkarte, die er von seinen "Jungs" bekam. "Alle haben unterschrieben und ein Baumarkt-Gutschein war auch dabei." Der Zusammenhalt des Teams wird durch diese Art von Kleinigkeiten enorm gestärkt und trägt zum guten Klima bei.

Darüber hinaus ist es ihm auch wichtig die Firma weiterzuentwickeln. "Um auf dem Markt bestehen zu können, müssen wir uns neuen Techniken zuwenden." Nicht nur neue modernere Produkte wurden unter seiner Führung aufgenommen, auch die Werbung hat sich verändert. "Ich wollte neuen Schwung rein bringen", sagt Reiko Zillmer. Sehr geholfen habe ihm dabei, dass sich der Senior auf seinen Ruhestand konzentriert hat und ihm freie Hand bei der Weiterentwicklung des Unternehmens ließ. Reiko Zillmer erklärt stolz, dass viele neue Aufträge akquiriert werden konnten.

"In den letzten beiden Wintern musste keiner gehen."

Zudem hat er, in weiser Voraussicht, nach und nach vier weitere Fachkräfte eingestellt.  In den nächsten Jahren werden es so einige Mitarbeiter dem ehemaligen Chef gleichtun und in Rente gehen. "Da muss ich für Nachwuchs sorgen", erklärt er. Auch einen Auszubildenden hat Reiko Zillmer eingestellt.

Das Unternehmen Elektromeisterbetrieb Zillmer, Oder: "Wir sind immer erreichbar und zuverlässig"

Das 1991 gegründete Unternehmen übernimmt sämtliche Aufgaben im Bereich Elektrotechnik. Die 10 Mitarbeiter (plus 1 Azubi) arbeiten in Vollzeit und werden über Tarif bezahlt. Fallen Überstunden an (z. B. wegen des Ausrückens am Wochenende), werden diese selbstverständlich bezahlt oder aufgeschrieben.

Eine zusätzliche Leistung des Unternehmens ist der Notdienst. "Wir sind so gut wie immer erreichbar", schildert der junge Geschäftsführer. Diese Dienstleistung bedeutet für ihn und seine Mitarbeiter Bereitschaft rund um die Uhr.

Wir hätten gern noch eine Weile mit Herrn Zillmer geplaudert, aber der Feierabend naht und die familiären Pflichten rufen. Seine Frau, die den EDEKA Markt in Sassnitz inzwischen ebenfalls in zweiter Generation leitet, hat den Nachwuchs längst von der Kita abgeholt. Nun ist Schichtwechsel bei Familie Zillmer.

"Wachhund" Pille

So bedanken wir uns für das nette Gespräch und den Kaffee, streichen Pille noch einmal durch das kurze Fell und begeben uns auf den Heimweg. Unsere Gedanken hängen noch eine ganze Weile bei Reiko Zillmer, einem weiteren Zukunftsmacher aus der Region.

Gunther Röhrbein, Burkhard Wölki

Elektriker bei Elektro Meisterbetrieb Zillmer

Blaumänner im Familienbetrieb

Während meine Kollegin den Lebensweg des Geschäftsführers Reiko Zillmer und seinem Unternehmen verfolgen darf, komme ich mit zwei seiner langjährigen Mitarbeiter ins Gespräch. Die beiden Elektriker Gunter Röhrbein und Burkhard Wölki nehmen sich nach ihrem Einsatz auf der Baustelle Zeit, um mir einen Blick in ihren Alltag und in den Familienbetrieb Elektro Zillmer zu geben. Herr Röhrbein ist schon seit 21 Jahren als Elektriker tätig, bei Herrn Wölki sind es mittlerweile 7 Jahre. Neben ihnen gibt es noch sechs weitere Kollegen, die zum Team Elektro Zillmer zählen.

Zu Beginn erzählen beide authentisch von ihrem Arbeitsalltag: Einsätze auf den Baustellen, Arbeitszeiten von früh morgens 7 Uhr bis nachmittags um 16.30 Uhr. Dafür ist am Freitag dann schon um 14 Uhr Schluss. Aber auch am Wochenende und in den Abend- und Nachtstunden muss die Erreichbarkeit für die Kunden gesichert sein. Bei Anruf, heißt es dann "ausrücken". Die Einsätze werden im Team ad hoc per Telefon abgesprochen, dabei wird darauf geachtet, dass ein Wechsel unter den Mitarbeitern herrscht.

Das Klima im Team beschreiben beide als sehr familiär und vertraut. Der Führungswechsel von Senior zu Junior Zillmer sei nahtlos gewesen. Beide beschreiben ihren neuen Chef als wissbegierig, offen und kollegial. Teilweise haben die Mitarbeiter ihn selbst ausgebildet, auf seine neuen Aufgaben vorbereitet und begleitet. Dadurch konnte im Laufe der Zeit eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit und Beziehung untereinander entstehen.

"Wir sind ein kleiner Betrieb, wir kennen uns alle persönlich, das macht das Verhältnis besser.",

sagt Gunter Röhrbein. Inzwischen vertreiben sie sich regelmäßig mit einigen Kollegen und ihrem Chef den Feierabend beim gemeinsamen Bowling. Der Zusammenhalt, das Arbeiten auf Augenhöhe und Miteinander stehen im Vordergrund um gemeinsam das Unternehmen Elektro Zillmer voran zu bringen.

Gemeinsam unerwartete Herausforderungen bewältigen

Der Zusammenhalt auf allen Ebenen wurde besonders deutlich, als Herr Wölki vor einigen Jahren schwer erkrankte und den körperlich anspruchsvollen Beruf des Elektrikers nicht weiter ausführen konnte. Gemeinsam wurde im Team und im Familienbetrieb nach einer Lösung gesucht. Diese wurde nach kurzer Zeit auch gefunden: zusammen mit seiner Frau Christine, die den Edeka Frischemarkt in Sassnitz leitet, beschloss Reiko Zillmer, seinem Mitarbeiter für eine bestimmte Zeit einen Arbeitsplatz in dem kleinen Lebensmittelgeschäft anzubieten. Herr Wölki nahm dieses Angebot an. So konnte er sich von seiner Erkrankung erholen und unterstützte 2 Jahre die Arbeiten im Lebensmittelmarkt von Frau Zillmer. Mittlerweile arbeitet Herr Wölki wieder als Elektriker im Elektro Meisterbetrieb von Herrn Zillmer. Einige Aufgaben sind auch heute noch nicht körperlich zu bewältigen. Dann erhält er Unterstützung im Team. Herr Wölki ist Familie Zillmer für diese Unterstützung sehr dankbar und bringt es auf den Punkt:

"Es fühlt sich hier an, wie eine große Familie."