Springe direkt zu:
zur Startseite des INFOPOOLS



Es befinden sich 653 Dokumente
in 11 Kategorien und 3 Sprachen
im Infopool.



INFOPOOL Picture
Inhaltsbereich:
Infopool » nach Kategorien » Familie-Leben-Zeit » Lokale Zeitpolitik

Lokale Zeitpolitik

DJI_LBF_Lokale_Zeitpolitik.pdf

Vorschau

Dokument: anzeigen
Dokumentenviewer: Acrobat Reader

Bewertung:
SternchenSternchenSternchenSternchenSternchen (479)

Sie haben bereits eine Bewertung von 3 abgegeben.

Datum: 30.03.2005
Format: pdf
Größe: 203 KB
Autor: Martina Heitkötter

Sprache: DE
©:

0 Kommentare. Schreiben Sie den ersten Kommentar zu diesem Dokument.

Beschreibung

Lokale Zeitpolitik - Fachlicher Informationsbaustein: Materialsammlung für die Praxis

Auszug des Inhalts (unformatiert)

[...] Standen zu Beginn einzelne Projekte zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation insbesondere von Frauen im Vordergrund, ist Zeitpolitik in Italien und z. T. in anderen europäischen Ländern mittlerweile gesetzlich verbindlich verankert und hat sich zu einem umfassenderen Gestaltungsansatz entwickelt. Zeitpolitik umfasst: 1. die Harmonisierung örtlicher Zeitstrukturen: Die Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen, Behörden, Geschäften, Kultureinrichtungen etc. sowie die Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs werden aufeinander abgestimmt und an den Alltagbedürfnissen der Menschen orientiert. 2. die Verbesserung insbesondere öffentlicher Dienstleistungsangebote: Es findet eine Bündelung und Integration von Funktionen und unterschiedlichen Verwaltungsdienstleistungen statt, z.B. in einem Bürgerhaus oder Stadtteilzentrum, möglichst direkt im jeweiligen Sozialraum und in Abstimmung mit den Zeiten außerhalb der Behörde. 3. die Förderung von Urbanität: Die Lebendigkeit von Quartieren und eine Nutzung des öffentlichen Raums wird angeregt, wobei die unterschiedlichen Interessen der NutzerInnen berücksichtigt werden. Die Belebung der Stadtviertel hat einen positiven Effekt auf die Sicherheit im öffentlichen Raum. 4 Jede dieser Maßnahmen hat zum Ziel, die Lebensqualität der Menschen insbesondere in zeitlicher Hinsicht zu erhöhen. Vermittelt durch europäische Kooperations- und Vernetzungsbezüge gibt es auch in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre erste Ansätze zeitpolitischer Gestaltung auf kommunaler Ebene. Die einschlägigen Projekte sind konzeptionell stark inspiriert von den italienischen Erfahrungen. Sie setzen entweder auf der Ebene von Städten und Gemeinden, auf der Ebene von Stadtteilen oder bezogen auf Institutionen an. Die Praxis lokaler Zeitpolitik ist hierzulande immer noch stark geprägt von einem projektförmigen Charakter der Aktivitäten. Erst langsam erkennen Kommunen und andere lokale Akteure, wie wichtig es ist, eine aktive koordinierende und moderierende Rolle für eine umfassende zeitpolitische Gestaltung der Kommunen einzunehmen. Eine Beschränkung der Kommune auf neue Öffnungszeiten als Anbieter von städtischen Dienstleistungen oder flexible Arbeitszeitmodelle als kommunaler Arbeitgeber wird der Bedeutung des Themas nicht mehr gerecht. Merkmale lokaler Zeitpolitik Lokale Zeitpolitik ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet: 1. Die Handlungsstrategien einer modernen Zeitpolitik sind querschnitts- und bündnisorientiert. Fragen gesellschaftlicher Zeitgestaltung berühren eine Vielzahl von gesellschaftlichen Handlungsbereichen und Politikfeldern. Daher erfordern sie auch einen Brückenschlag zwischen Akteuren und Institutionen aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Organisationen der Zivilgesellschaft sowie den Bürger/innen selbst. Dazu müssen die klassischen Strukturen und abgezirkelten Zuständigkeitsbereiche von Verwaltungen für ein Querschnittsdenken und ?handeln geöffnet werden. Entscheidend sind bereichsübergreifende Vernetzungen und neue Formen der Zusammenarbeit (z.B. in Form von freiwilligen Bündnissen). 2. Lokale Zeitpolitik ist beteiligungsoffen gegenüber Bürger/innen und verfügt über eine demokratische Legitimation ihrer örtlichen Zeitgestaltung. Die Interessen und Bedürfnislagen von Bürger/innen bzw. von Familien bezogen auf die Ressource Zeit sind vielfältig, z.T. auch gegensätzlich und unterliegen einem ständigen Wandel. Um sie für politische Entscheidungen und eine gemeinsame Gestaltung zugänglich zu machen, müssen sie bekannt sein und entsprechend aufbereitet werden. Dafür muss es verstärkt Möglichkeiten der Partizipation und Mitgestaltung geben, die deutlich über die üblichen formalen Repräsentations- und Entscheidungsstrukturen auf kommunaler Ebene 5 hinaus gehen1. Nur so können Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit ihre Funktion als ?Resonanzboden? für zeitbezogene Problemlagen und Konflikte wahrnehmen. 3. Zeitpolitisches Handeln im Sinne einer demokratisierenden Zeitpolitik schließt immer faire Aushandlungsprozesse mit ein. Hinter Fragen der Zeitgestaltung stehen häufig Interessensdifferenzen und sich widersprechende Zeitbedürfnisse. Ausgedehntere, passgenauere und flexible Betreuungszeiten beispielsweise, die insbesondere von berufstätigen Eltern nachgefragt werden, berühren immer auch die Arbeitszeiten der betreuenden Personen, die ihrerseits ja häufig ebenfalls Familie haben. Das Gleiche gilt für die Öffnungszeiten einer Vielzahl von öffentlichen und privaten Dienstleistungen. Für Zeitpolitik bedeutet das, Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, die faire Aushandlungsprozesse ermöglichen, an denen sowohl Zeitnachfrager als auch Zeitanbieter beteiligt sind. Nur so kann verhindert werden, dass es zu einem Dominoeffekt der Flexibilisierung und Deregulierung von (Arbeits-)Zeiten kommt, was insbesondere für Familien problematisch ist. 4. Lokale Zeitpolitik zielt auf eine konkrete Verbesserung der Lebens- und Alltagsqualität vor Ort. In der Fachdiskussion ist in diesem Zusammenhang die Rede von einem erhöhten ?Zeitwohlstand? für den Einzelnen wie auch für die Gemeinschaft. Entscheidend dafür ist insbesondere die Mikroebene der Alltagsgestaltung. Dort entscheidet sich für Familien, inwieweit Zeitnotstand Realität bleibt oder mehr Zeitwohlstand Realität wird. Neue Bündnisse und veränderte Leitbilder sind ein Anfang, aber entscheidend für den Alltag der Familien sind konkrete zeit- und familienpolitische Maßnahmen. 5. Lokale Zeitpolitik zeichnet sich darüber hinaus durch eine Mischung unterschiedlicher Politikformen und Institutionen aus. Eine wichtige Rolle kommt bei den zu leistenden Vermittlungs-, Koordinations- und Moderationsaufgaben so genannten intermediären Instanzen zu. Dazu gehören beispielsweise Zeitbüros und Zeitwerkstätten, deren Funktionen und Aufgabenbereiche in Kapitel 3.3 ausführlich beschrieben werden. Zu dem breiten Methodenspektrum moderner Beteiligung vgl. Zinser, Claudia: Aktivierung und Beteiligung von Familien. Familien als Akteure im Rahmen der Bündnisarbeit, München 2004, http://www.dji.de/praxisinformationen 1 6 Wie sich an den aufgeführten Merkmalen deutlich zeigt, bestehen zwischen Ansätzen lokaler Zeitpolitik und der aktuellen Bündnisstrategie örtlicher Familienpolitik strukturelle Ähnlichkeiten und Anknüpfungspunkte. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, dass die "Lokalen Bündnisse für Familie" zeitpolitische Problemstellungen und Gestaltungsansätze aus einer familienpolitischen Perspektive aufgreifen. Der vorliegende Informationsbaustein möchte dazu fa[...]

Diesem Dokument zugeordnet

Kategorie: Vereinbarkeit in Stadt und Land (198), Familie-Leben-Zeit (257)

Schlagworte: Kommunen (11), Praxisbeispiele (17), Vereinbarkeit Beruf und Familie (195), Zeitpolitik (6)

keine Kommentare

Ihr Kommentar

Bitte geben Sie hier das Sicherungswort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spamvermeidung.


CAPTCHA Bild zum Spamschutz

Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.